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Ostseesplitter 2005
Ostseesplitter
2005
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Die kurze und wechselvolle Entwicklungsgeschichte der Ostsee
Dr. Wolfram Lemke
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Aus geologischer Sicht ist die Ostsee ein außerordentlich junges Meer. Ihre Geschichte beginnt nach dem Ende der jüngsten Eiszeit vor etwa 15.500 Jahren, als mit dem Abschmelzen der Gletscher im Gebiet der heutigen Ostsee eine stark gegliederte Becken- und Schwellenlandschaft frei gelegt wurde. Für den weiteren Verlauf der Ostsee-Entwicklung sind drei Prozesse von entscheidender Bedeutung: 1. Eustatische Meeresspiegelveränderungen Als eustatische Meeresspiegelveränderungen fasst man alle global wirkenden Veränderungen der in den Meeren befindlichen Wasservolumina zusammen. Sie werden verursacht durch allgemeine klimatische Veränderungen, wie die globale Erwärmung am Ende einer Vereisungsperiode. So war zum Beispiel während des Höhepunktes der letzten Eiszeit derartig viel Wasser in den Gletschern gebunden, dass der Meeresspiegel allgemein 100-120 m tiefer lag als heute. Auch der derzeitige Meeresspiegelanstieg infolge des Treibhauseffektes gehört zur Kategorie der eustatischen Prozesse. Isostatische Meeresspiegelveränderungen werden zum Beispiel durch
die hohe Auflast von Gletschern auf die Erdkruste verursacht. Als während
der Eiszeiten einige tausend Meter mächtiges Inlandeis auf der skandinavischen
Landmasse lag, bewirkte diese Masse ein Einsinken der Erdkruste in die darunter
befindlichen quasiflüssigen Bereiche des Erdmantels. Das Abschmelzen
der Eiskappen setzte dann einen Wiederaufstieg der entlasteten Erdkruste
in Gang. Gegenwärtig sind solche isostatische Hebungsvorgänge
vor allem in Skandinavien zu beobachten. Am intensivsten sind sie mit 8
mm pro Jahr an der Westküste des Bottnischen Meerbusens im Zentrum
des ehemaligen Eisschildes. Das Ausmaß nimmt mit wachsender Entfernung
von dieser Region ab, bis die „isostatische Nulllinie“ erreicht
wird, an der eine Hebung nicht mehr messbar ist. Südlich davon führen
Ausgleichsbewegungen im Untergrund zu Senkungsvorgängen. An der Ostseeküste
Mecklenburg-Vorpommerns verläuft die Nulllinie etwa vom Fischland aus
ostsüdöstlich zum Oderhaff. Gebiete, die südwestlich davon
liegen (z.B. der Raum Lübeck-Wismar), sinken ab, nordöstlich der
Linie (z.B. Rügen) findet Hebung statt. |
weiß: Gletscher blau: Wasser grün: Festland
Abb. 1: Baltischer Eisstausee vor etwa 15.500 Jahren |
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Überlagert werden eustatische und isostatische Meeresspiegelveränderungen von sedimentdynamisch bedingten
Küstenveränderungen. Durch Wellen- und Strömungstätigkeit werden exponierte Küstenbereiche abgetragen und andere neu
gebildet. Im Endeffekt entsteht eine im sedimentdynamischen Gleichgewicht befindliche Ausgleichsküste. Das
Zusammenspiel dieser 3 Prozesse bewirkte, dass sich die Entwicklungsgeschichte der Ostsee als komplizierte Abfolge
von Süßwasser- und Brackwasserphasen mit stark veränderlichen Küstenlinien darstellt. |
Abb. 2: Bei Billigen öffnet sich ein Zugang zur Nordsee |
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Damit begann die nächste Phase der Ostsee-Entwicklung, die Phase des Yoldia-Meeres. Benannt ist diese Phase nach
der Muschel Yoldia arctica, die an Salzwasser gebunden ist und in Meeresablagerungen aus dieser Zeit gefunden wurde.
Ihr Auftreten beweist, dass das Ostseebecken damals zumindest zeitweise mit dem Atlantik in Verbindung stand. Die
Yoldia-Phase dauerte bis etwa 10.800 Jahren vor heute an (Abb. 3). |
Abb. 3: Das Yoldiameer vor ca. 10.000 Jahren |
| Im Zeitraum von 10.200 - 9.000 vor heute war die Verbindung zwischen Ostseebecken und Kattegat groß genug, um ein erneutes Aufstauen des Ancylus-Sees zu verhindern. Zu einem Einstrom salzhaltigen Meerwassers kam es jedoch nicht. Abgesehen vom Arkonabecken und einem See an der tiefsten Stelle der Mecklenburger Bucht waren weite Teile des deutschen Küstenvorfeldes Festland. Das änderte sich jedoch mit den zunehmenden Auswirkungen des globalen eustatischen Meeresspiegelanstiegs. Zwischen 8.800 und 8.000 vor heute lässt sich ein außerordentlich schneller Anstieg des Wasserspiegels von rund 2,5 cm pro Jahr nachweisen. Diese Phase der Ostsee-Entwicklung wird Litorina-Meer genannt, nach der Salzwasser anzeigenden Schnecke Littorina littorea. Belte und Öresund wurden überflutet und damit kam es zu einer tief greifenden Umgestaltung der Küstenlinien, besonders in der südlichen und westlichen Ostsee. Bis etwa 6.000 vor heute verlangsamte sich der Wasserspiegelanstieg auf Werte von durchschnittlich ca. 0,3 cm pro Jahrhundert. Zu diesem Zeitpunkt lag der Wasserspiegel der Ostsee nur noch 1 m unter seinem heutigen Niveau, um danach keinen größeren Schwankungen mehr unterworfen zu sein. |
Abb. 4: Der Ancylussee um 9.300 vor heute |
| Mit der Verlangsamung des Wasserspiegelanstieges spielten Küstenausgleichsprozesse eine zunehmend wichtige Rolle bei der Gestaltung der Ostseeküsten. Dementsprechend dominierten in der südlichen und westlichen Ostsee wind- und strömungsgesteuerte Abtragungs-, Transport- und Anlandungsprozesse gegenüber eustatischen und isostatischen Vorgängen. Durch diese Küstenausgleichsprozesse entstand die heutige Form der Küste Mecklenburg-Vorpommerns und diese Vorgänge sind auch heute noch außerordentlich wirksam. In nur 100 Jahren führten sie zum Beispiel auf der Insel Hiddensee zur Bildung des Neuen Bessin, der immer noch jährlich um beachtliche 30 m anwächst. Lieferant für das dafür notwendige Sedimentmaterial ist die Steilküste des Dornbuschs, die Jahr für Jahr zurückweicht. |
Abb. 5: Um 9.000 vor heute waren weite Teile der westlichen Ostsee Festland |
aktualisiert: 21.07.2005
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