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Fazit
     


Resumee

Im Laufe des Seminars war die ernüchternde, jedoch stets wiederkehrende Erkenntnis, dass es zwar zahlreiche Möglichkeiten zur Minimierung der Risiken bei Öltransporten gibt, diese jedoch aufgrund wirtschaftlicher Interessen meist ignoriert werden.

Eine der Hauptursachen für die hohe Zahl an Unfällen ist die zunehmende Menge an Öl und anderen Gütern, die auf dem Seeweg transportiert werden, da der Energieverbrauch besonders in den Industriestaaten kontinuierlich steigt. Das Verkehrsaufkommen wächst derartig an, dass eine Verstärkung der Regulierungen und der Sicherheitsmaßnahmen nötig ist , um die Sicherheit auf den Gewässern zu gewährleisten. Ein Verkehrsleitsystem sowie der Einsatz von Weitsichtradaren könnten beispielsweise zur Regulierung beitragen. Auch gibt es in der Ostsee bislang keine Lotsenpflicht für schwer passierbare Gebiete, geschweige denn eine Anmeldepflicht an den Engpässen (z.B. Kadetrinne), wie sie beispielsweise an der Straße von Gibraltar praktiziert wird. Besonders dringend erscheinen Überarbeitungen der Sicherheitsmaßnahmen. So sind auf europäischen Gewässern einwandige Tanker noch bis zum Jahre 2005 (?) erlaubt. In den USA hingegen dürfen seit dem Unglück der "Exxon Valdez" (1989) nur noch doppelwandige Tanker die Hoheitsgewässer befahren. Eine Art "Tanker-TÜV" könnte dem Problem der zunehmenden Überalterung der Schiffe entgegenwirken, doch ebenso wichtig wäre die regelmäßige Kontrolle der fachlichen und sprachlichen Fähigkeiten von Schiffsbesatzungen. Denn nicht nur Mannschaften von Schiffen unter Billigflaggen haben oft eine mangelhafte Ausbildung erfahren. Selbst die Kommunikationsfähigkeit der Besatzungsmitglieder untereinander - Grundvoraussetzung für die Navigation von Fahrzeugen dieser Größenordnung - ist aufgrund multinationaler Zusammensetzung oftmals nicht gewährleistet! Diese Themen werden zwar seit Jahren diskutiert (siehe z.B. http://www.bsh.de/Allgemeininfos/Pressemitteilungen2000), die erhofften Ergebnisse bleiben jedoch weitgehend aus.

Da die Ostsee von zahlreichen Anrainerstaaten umgeben ist, wären internationale Abkommen über den Schutz des Gewässers notwendig, um ein koordiniertes Handeln im Ernstfall zu ermöglichen. Hier versucht die HELCOM seit den siebziger Jahren Abhilfe zu schaffen. Sie kann allerdings nur Empfehlungen aussprechen und verpflichtet damit niemanden zu bestimmten Handlungen. Oft ist bereits die Gesetzgebung innerhalb eines Landes so kompliziert, dass die Zuordnung von Verantwortlichkeit und Kompetenzen zu viel Zeit in Anspruch nimmt.

Bei der Bekämpfung von bereits eingetretenen Bedrohungen durch ausgetretenes Öl liegen die Schwierigkeiten vor allem in der Variabilität des Stoffes. Je nach Art des Öls und nach den aktuellen Umweltbedingungen (Temperatur, Seegang usw.) verändern sich seine Eigenschaften auf derart komplexe Weise, dass kaum zuverlässige Aussagen über sein Verhalten bezüglich der Ausbreitung getroffen werden können. Besonders in Küstennähe sind Vorhersagen sehr schwierig, da kurze Wege nur wenig Zeit lassen. Außerdem erschweren die besonderen meteorologischen, hydrographischen und topographischen Gegebenheiten in der Ostsee die Vorhersagen, aber auch das Entfernen des Öls aus dem Wasser und den Küstenbereichen selbst. Daher sollte die Forschung im Bereich Öl stärker gefördert werden. Sie ist Grundlage für die Entwicklung von variabel einsetzbaren und effektiveren Geräten zur Ölbekämpfung und von Modellen, die konkretere Aussagen über die Verdriftung und Fraktionierung von Ölteppichen treffen und damit die Steuerung von Einsätzen optimieren können. (Zum Thema Modellierung des Verhaltens von Öl siehe Punkt "Öl/ Verbreitungsmodelle".)

Unsere Ergebnisse bzgl. der ökonomischen Folgen sind lückenhaft. Die Befragung einzelner Hotels zum Thema ergab, dass Einbußen im Tourismus eher gering ausfallen. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass nur drei Hotels mit einer umfangreichen Stamm- und Geschäftskundschaft befragt wurden. Zahlenwerte für Verluste im Bereich der Fischerei konnten von den befragten Behörden nicht geliefert werden. Es ist jedoch davon auszugehen, dass je nach Zeitpunkt eines Unglücks (Haupt-/Nebensaison bzw. Laichzeit u.ä.) sowohl im Tourismus als auch in der Fischerei hohe bis sehr hohe Einbußen verursacht werden.

Das Thema Folgen von Ölkatastrophen auf das Ökosystem konnte aufgrund der begrenzten Zeit nur kurz umrissen werden und müßte vertieft werden. An offenen Fragen haben sich daraus ergeben:
Welche Ergebnisse existieren bereits zum Thema?
Wie reagieren die verschiedenen Arten auf Ölbelastungen?
Welche Arten/Artengruppen sind als Indikatoren geeignet?
Verändern sich die Dominanzen?
Läßt sich vorhersagen, ob bzw. welche Probleme es bei der Wiederbesiedlung verseuchter Gebiete gibt?
...

Zuguter Letzt noch ein Hinweis: In diesem Seminar wurden fast nur Ölverschmutzungen größeren Ausmaßes, nämlich durch Havarien, diskutiert. "Die Zahl [solcher] Tankerunfälle und die daraus entstehende Ölverschmutzung der Ozeane sind u.a. durch Verschärfungen der internationalen Vorschriften seit den siebziger Jahren [zwar] rückläufig. Nach Expertenmeinung ist der kontinuierliche, aber nur schwer messbare Eintrag durch unzählige Verschmutzungsquellen an Land und auf See jedoch wesentlich gravierender als die Verschmutzung durch Unfälle." (Fischer-Weltalmanach, 2001, S. 1287)



Rolle der biologischen/ meereskundlichen Experten in der Vorbereitung auf/ Einschätzung bei Unfällen

Offene Fragen zum Thema Öl

Modellierungsprogramme zur Verdriftung


Benthische Lebensgemeinschaft



  Literatur




aktualisiert: 19.04.2001      Fragen und Anregungen zu dieser Seite an: stefan.forster@io-warnemuende.de
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