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Einige Besonderheiten der Rippenqualle Mnemiopsis leidyi
     


Dr. Lutz Postel, Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW)
Dr. Sandra Kube, Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW)

 

 

 

 

 

 

 

 


Rippenqualle Mnemiopsis leidyi
     

Die Biologie der Tiere weist einige Besonderheiten auf. Sie besitzen keine Nesselkapseln, werden demzufolge nicht zu den Nesseltieren gezählt und bilden einen eigenen Tierstamm. Es handelt sich um bis zu 10 cm große Organismen, die bis 99% aus Seewasser bestehen. Damit verbrauchen sie viel mehr Energie als sie nach dem Absterben in Form von organischer Substanz hinterlassen. Insofern kann ihnen ein gewisses Wasserreinigungspotential nicht abgesprochen werden. Ihr Nahrungsbedarf liegt bei ca. 300 Kopepoden (Kleinkrebsen) bzw. äquivalentes Futter pro Tag. Selbst werden sie durch die verwandte räuberische Gattung Beroe verzehrt, die in der westlichen Ostsee in Abhängigkeit vom Salzgehalt bis zur Darßer Schwelle vordringt. Mnemiopsis ist als euryhaline Art (viel und wenig Salzgehalt tolerierend) allerdings jetzt schon weiter östlich, in "Beroe-freien" Zonen zu beobachten. Ihre Nahrungskonkurrenten sind nicht nur die plankton-fressenden Fische, sondern auch noch die im Sommer reichlich vorhandenen Ohrenquallen.

Rippenquallen sind für bioluminiszente Erscheinungen bekannt, da sie ein indirektes Leuchtvermögen besitzen, wenn sich das Licht in den kammartigen Rippenplättchen, die zur Fortbewegung dienen, bricht. Fühlen sie sich gestört, zum Beispiel durch Berühren oder durch Wasserbewegungen (Brandung, schon leichte Wellen, oder durch Schiffsschrauben hervorgerufen), dann leuchten sie noch dazu selbst auf, vermutlich durch Leuchtproteine. Dadurch wurden auch Fischer in der Wismarer Bucht, vor Warnemünde und Zingster Naturfreunde im Spätsommer auf die Tiere aufmerksam.

Rippenquallen sind Zwitter, sie befruchten sich sogar selbst. Die Jugendstadien sind bereits geschlechtsreif. Daraus gehen kleinere Nachkommen hervor. Dann legen sie eine Pause in der Reproduktion ein, um sich bei erneuter Geschlechtsreife im Erwachsenenzustand wieder massenhaft zu vermehren, jetzt mit größeren Nachkommen. Dieser Vorgang wird als Dissogonie bezeichnet und führt zu einer Nachkommenschaft von 600 bis 1000 Individuen pro Elterntier und Tag, bei günstigen Temperatur- und Nahrungsbedingungen. Auch wird ihnen ein hohes Regenerationsvermögen nachgesagt. Fast alle Zellen sind so genannte Stammzellen. Zuerst wird das Organ für den Schweresinn regeneriert und darum das restliche Tier. Ein weiteres Merkmal sind lange Fastenzeiten. Die Überlebenstemperatur lag im Schwarzen Meer bei 4°C. All diese Punkte deuten auf eine große Widerstandsfähigkeit hin. Man darf gespannt sein, ob die jetzt beobachteten Tiere den Winter überstehen.


aktualisiert: 25.09.2007      Fragen und Anregungen zu dieser Seite an: lutz.postel@io-warnemuende.de
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